Der Eichhörnchen Kobel

Im Winter 2018/2019 wollte ich eigentlich einen weiteren Nistkasten bauen (es war ein Halbhöhlen-Nistkasten in Planung). Allerdings hatten sich meine Pläne dann kurzfristig geändert, nachdem ich im Spätherbst 2018 für unsere ansässigen Eichhörnchen einen Futterkasten zusammen gezimmert hatte. Da kam mir die Idee, für die Eichhörnchen zusätzlich noch einen Kobel zu bauen.
Kobel nennt man die Nester, die sich die Eichhörnchen in Bäumen bauen und diese als Wohn- und Schlafzimmer sowie als  Kinderstube nutzen. Es ist aber auch möglich, den Eichhörnchen ein Häuschen als Kobel anzubieten, das diese dann ebenfalls als Schlafplatz nutzen können.
Ich fand die Überlegung toll, durch einen selbst gebauten Kobel mit Kamera ein Eichhörnchen beobachten zu können. Aus diesem Grund wurde mein Vorhaben, einen Nistkasten zu bauen abgewandelt und es entstand ein selbst gebauter Eichhörnchen Kobel.

Als Grundlage und Inspiration dienten 2 Anleitungen, die ich für mich entsprechend abgewandelt habe.
1. Anleitung: Eichhörnchen Auffangstation Hessen und Rheinland-Pfalz
2. Anleitung: Eichhörnchen Schutz e.V.

Der Kobel in der „Werkstatt“

Der Kobel besteht im Prinzip aus 2 Teilen. Zum Einen aus dem „Wohnraum“ für das Eichhörnchen mit Balkon 🙂 und zum Anderen aus dem Aufbau für die Kamera Technik. Ganz wichtig beim Bau eines Eichhörnchen Kobel ist, das der Kobel mindestens 2 Löcher als Ein- bzw. Ausgang hat. Eichhörnchen sind Fluchttiere und brauchen, sollte ein Eingang durch einen Feind wie den Marder belagert sein, einen alternativen Ausgang als Fluchtweg. In meinem Fall gibt es je einen Ausgang an den schmalen Seiten und einen Ausgang nach vorne auf den „Balkon“, über den das Eichhörnchen nach hinten flüchten kann. Der Durchmesser der Löcher beträgt 7cm, damit ggf. auch ein schwangeres Eichhörnchen hindurch passt. Denn ich habe die wage Hoffnung, das ein Weibchen den Kobel im Frühjahr als Kinderstube nutzen wird 🙂
Die Grundplatte des Kobel besteht aus einem 40cm x 50cm großem 18mm dicken Brett, auf dem der Wohnraum mit einer Grundfläche von ca. 29cm x 39cm aufgesetzt ist. Die Frontplatte des Wohnraums hat eine Höhe von 25cm, die Rückwand von 30cm, dementsprechend abgeschrägt sind die Seitenwände.

Die Kamera im Aufbau

 

Als Kamera kommt eine IP-Kamera zum Einsatz. Die Kamera sitzt in dem zusätzlichen Kasten, den ich auf das Dach des Wohnraum aufgesetzt habe. Da ich in dem Aufbau genügend Platz habe, brauchte ich in diesem Fall, anders als bei den Meisen-Nistkästen, kein alternatives Schaltnetzteil, sondern konnte das mitgelieferte Steckernetzteil verwenden.
Die Kamera habe ich an ein Brett über die vorhandenen Montagelöcher für den Haltefuß befestigt.
Die verwendete Kamera hat einen Line-In Anschluss für ein externes Mikrofon. Deshalb habe ich natürlich auch ein Mikrofon in Betrieb genommen. Leider hatte mir Amazon das bestellte Mikrofon nicht rechtzeitig geliefert (ich wollte den Nistkasten am 2. Januar Wochenende aufhängen), sodass ich den Nistkasten erst einmal ohne Mikrofon aufgehängt habe.
Einige Tage später kam dann das bestellte Mikrofon. Doch leider musste ich feststellen, das das Mikro nicht wirklich an der Kamera funktionierte. Grundsätzlich war Ton vorhanden, aber viel zu leise. Deshalb musste ich mir ein anderes Mikro bestellen. Nach einem kurzen Test wurde das Mikro als geeignet befunden und fest montiert. Und so hängt im Innenraum nun eine Halbkugel mit eingebautem Mikrofon

Hier zu sehen ist die Kamera und das Mikrofon (die weiße Halbkugel)

 

Die Live Streams auf der Webseite stelle ich mit Hilfe der freien und kostenlosen Software „Restreamer“ zur Verfügung. Die Software läuft bei mir auf zwei Raspberry Pi 3 (je Raspberry 2 Kameras) und stellt die Streams in dem eingebetteten Player zur Verfügung. Eine wirklich sehr einfache und schnelle Lösung, RTSP-Kamera Streams in eine Webseite zu integrieren. 

Update: Die Einbettung des Live Stream wird inzwischen über den Webcam Service Provider Livespotting realisiert. Livespotting stellt mir die Möglichkeit zur Verfügung, den Live Stream auf deren Server hoch zu laden um dann deren Player bei mir auf der Homepage einzubinden. Da dadurch die Zugriffe auf den Livestream über Livespotting und deren Server laufen, ist es keine Problem, wenn viele Zuschauer die Streams anschauen. Meine Internet Leitung wäre irgendwann überlastet gewesen. 

Daher ein riesen Dank an das Team von Livespotting für deren Unterstützung!

Um es dem Eichhörnchen ein bisschen gemütlich zu machen, habe ich in dem Kobel schon mal für die entsprechende Grundausstattung gesorgt. Dafür habe ich ein bisschen Holzwolle mit ein bisschen Kapok Watte aufgepolstert und in eine Ecke des Kobel gelegt. Ich hoffe, das hat ein wenig anziehende Wirkung auf das Eichhörnchen.

Wenn das mal nicht gemütlich und kuschelig ist…

 

Der Kobel in der Weide aufgehängt

 

Und so bleibt jetzt zu hoffen, das eines der hier ansässigen Eichhörnchen den Kobel als neues Zuhause entdeckt und einzieht. Ich würde mich auf jeden Fall riesig freuen.

Auch hier – sollte ich die Bastellust bei Dir geweckt haben und Du möchtest den Kobel nachbauen, kann Du Dich gerne bei Fragen an mich wenden. Nutze hierzu einfach das Kontaktformular.

2. Update: Ja, die Holzwolle und die Kapok Wolle, die ich für das Eichhörnchen in den Kobel gelegt hatte, hatte durchaus eine anziehende Wirkung. Nur nicht auf das Eichhörnchen, sondern auf eine Baumhummel Königin, die sich dazu entschlossen hat, in dem Kobel Ihren Hummelstaat zu gründen. Und so wuchs in dem Kobel im Frühjahr 2019 ein Baumhummel Nest heran…

Hier ist eine Baumhummel dabei, die Kapock Wolle zu bearbeiten
Leider ist der Eichhörnchen Kobel kein geeigneter Platz für ein Hummelnest, da wegen der großen Eingänge jedes Tier, das dem Nest nicht wohl gesonnen ist, leichten Zugang hat. Und so kam es, wie es kommen musste. 
Als erster „Feind“ der Baumhummel kam die Wachsmotte. Die Wachsmotte legt Ihre Eier in das Hummelnest und die Larven fressen sich dann durch die Waben im Nest und zerstören so die Brut. Normalerweise hat man bei Hummelhäusern eine kleine Klappe vor dem Eingang, die die Wachsmotte vom Nest fern hält, von den Hummeln aber passiert werden kann. 

Und als ob das nicht schon genug wäre, ging es dem Nest kurze Zeit später richtig an den Kragen. 
Als erstes sind die Meisen auf das Nest aufmerksam geworden. Sie kamen regelmäßig in den Kobel und habe das Nest auf der Suche nach was fressbarem zerwühlt und Schicht für Schicht geöffnet. In der Nacht kam dann außerdem noch eine Maus dazu, die ebenfalls das Nest nach fressbarem Kleinstgetier durchwühlt hat.
Und so war dann doch leider schnell das Ende des Baumhummelvolkes gekommen. 
Meise durchwühl das Hummelnest
Maus sucht im Hummelnest nach Leckereien
Das Hummelnest vor der Reinigung des Kobel

3. Update: Leider blieb der Einzug eines Eichhörnchens in den Kobel bis heute aus. Einzig kurze Besuche der Hörnchen im Kobel auf der Suche nach etwas Fressbarem waren die kurzen Highlights. Meine Vermutung, warum der Kobel bislang von den Hörnchen nicht angenommen wurde, ist, das die Weide, in der der Kobel hing, vom Standort nicht Ideal ist (zu niedrig, zu dicht an der Futterstelle). 
Daher entschloss ich mich im Frühjahr 2020 für einen Standortwechsel. Nun hängt der Kobel am Haus unterm Dachvorsprung. Damit das Eichhörnchen den Kobel dort auch erreicht, habe ich vom Boden bis an den Kobel und darüber hinaus ein Jute-Tau gespannt, an dem das Eichhörnchen hinauf klettern kann. Vielleicht wird es nun etwas mit der „Besetzung“ des Kobels durch ein Eichhörnchen.